Paul Cezanne: »Selbstportrait«
Öl auf Leinwand, 60,3 X 47 cm,
1878-1880.
© The Phillips Collection
Kurzbiografie

Paul Cézanne

Geb. 19. 1. 1839 in Aix-en-Provence,
gest. 22. 10. 1906 in Aix-en-Provence

Als Sohn eines Kaufmanns und Bankiers beginnt der junge Cézanne schon während seiner Schulzeit mit dem Zeichenunterricht, scheint jedoch wenig Begabung an den Tag zu legen. Gegen den Willen des Vaters verfolgt Cézanne auch nach der Schulzeit während eines kurzzeitigen juristischen Studiums sein Ziel weiter, Maler zu werden. 1862 gelangt er auf Anraten seines Jugendfreundes Emile Zola nach Paris. Da er dort die Aufnahmeprüfung der Ecole des beaux-arts nicht besteht, sieht er sich ähnlich wie Camille Pissarro dazu gezwungen, als Autodidakt in der Académie Suisse und im Louvre zu arbeiten. Er gerät in Kontakt zu den Impressionisten Monet, Degas und Renoir, ohne sich deren Malweise zu eigen zu machen. Seine eigenen Arbeiten der 1860er Jahre orientieren sich an Eugène Delacroix und Gustave Courbet, die er sehr bewundert.

Im Gegensatz zu Monet, der überwiegend als Landschaftsmaler arbeitete, stehen im Werk Cézannes Landschaft, Stilleben und Porträt gleichwertig nebeneinander. Nachdem Cézanne 1872 Vater geworden war, zieht er mit seiner Familie nach Auvers-sur-Oise, wo er zwei Jahre in der Gesellschaft Pissarros lebt. Nach Paris zurückgekehrt beteiligt er sich 1874 an der ersten Gruppenausstellung der Impressionisten. Zwischen 1874 und 1877 arbeitet Cézanne außerordentlich produktiv in seiner neuen Pariser Wohnung. Seine Beiträge für den Pariser Salon werden jedoch jährlich abgewiesen.

Zunehmend isoliert er sich von seiner Umgebung, wechselt in den 1880er Jahren häufig seinen Wohnort, bis er schließlich um 1880 endgültig nach Aix-en-Provence zurückkehrt. Erst nach seiner Rückkehr in die heimatliche Provence tritt Cézanne in die entscheidende Phase seines künstlerischen Schaffens. Zwar noch nicht berühmt, aber als Maler dennoch bekannt, wird auf Betreiben seines Freundes Victor Choquet eines von Cézannes Bildern auf der Weltausstellung von 1899 gezeigt. Trotz des bleibenden Gegensatzes Cézannes zur anerkannten Salonkunst wächst die Sympathie von Seiten unabhängiger Künstler, Sammler und Kunstfreunden. Cézannes Bilder werden, durch einige erfolgreiche Ausstellungen begünstigt, vermehrt gekauft. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wird Cézanne in seinen letzten Lebensjahren vom Publikum akzeptiert und von der jungen Künstlergeneration bewundert, lebt jedoch bis zu seinem Tod im Jahre 1906 weiterhin zurückgezogen auf seinem Landsitz Jas de Bouffan.

Deutlich lassen sich drei Hauptphasen
seines Schaffens unterscheiden:

- Die Frühzeit ist geprägt von Kopien nach alten Meistern. Seine eigenen Werke zeigen in ihren dunklen Farbtönen einen deutlichen Einfluß der französischen Romantik, insbesondere Delacroix´.
- Die durch Pissarro und den Impressionismus beeinflussten Pariser Jahre bewirkten den Wechsel zu einer helleren Farbpalette und einer naturhafteren Lichtführung wie sie sich in den Landschaftsbildern der Oise-Gegend zeigen. Auch wird in den zu dieser Zeit entstandenen Porträts der Einfluss von Honoré Daumier und Jean-Baptiste Siméon Chardin erkennbar.
- In der letzten Schaffensphase nach seiner Rückkehr nach Aix-en-Provence bildet Cézanne jenen ihm eigenen Stil heraus, der seinen europäischen Rang begründet. So löst er sich von der bedingungslosen Hingabe der Impressionisten an die Erscheinungswelt und reduziert die Bildgegenstände (Steinformationen werden bevorzugt) auf einfache geometrische Grundformen. Neben der abstrakten Komposition markiert die Farbe nun nicht mehr eine bloße Oberflächenbeschaffenheit, sondern tritt als eigenwertiges Gestaltungsmittel auf. Hiermit betrat Cézanne künstlerisches Neuland und wurde zum Wegbereiter der modernen Malerei - des Fauvismus, Kubismus und Expressionismus.

Die Teilnahme Paul Cézannes
an den Gruppenausstellungen der Impressionisten:

1874: »Die Neue Olympia« (1872-1873) und zwei Landschaften von Auvers, darunter das Haus des Gehängten
(1873-1874)

1877: Drei Aquarelle und 13 Gemälde, vor allem Stilleben und Landschaften sowie das »Bildnis Choquets«
(1876-1877)