Sinne und Synapsen ist ein Projekt des Instituts für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der RWTH Aachen.

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Projektleitung:
Dr. Christine Emig
Prof. Dr. Monika Fick

Sinnesphysiologisches Wissen
damals und heute.

Die unter diesem Punkt verknüpften Seiten sollen einen naturwissenschaftlichen Überblick über die Funktion einzelner Sinnesmodalitäten schaffen. Moderne Erkenntnisse zur Sinnesphysiologie werden in Bezug zu deren historischen Wurzeln gesetzt. Das Wissen über diese Entdeckungen soll eine Basis schaffen, um die Wirkungen von neurowissenschaftlichem Erkenntnisgewinn auf dieKunst undPhilosophie besser zu verstehen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass gegen Ende des 19. Jh. die Grundlagen für ein modernes sinnesphysiologisches Verständnis gelegt wurden. Viele der historischen Hypothesen erwiesen sich im Nachhinein als zutreffend, konnten aber zur damaligen Zeit noch nicht endgültig bewiesen werden. In der Hirnlokalisationsforschung wurden in jüngster Zeit mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie große Fortschritte erzielt. Hierbei handelt es sich um Methoden, Schnitte durch das Hirn eines Probanden auf einer Art »Röntgenbild« abzubilden. Durch weitere Modifikation dieser Techniken gelang auch eine Messung der einzelnen Stoffwechselaktivitäten im arbeitenden Gehirn. So können Gehirnfunktionen im zeitlichen Ablauf genau beobachtet und lokalisiert werden

Bilder von Hirnschnitten mittels
MRT, CT und f-MRI

Hirnfunktionen, dargestellt
mit moderner PET-Technik

War man früher auf Leichensektionen und die Beobachtung von Ausfallerscheinungen beim Kranken angewiesen, kann man heute »dem Gehirn beim Denken zusehen«. Das logische Grundmodell und die experimentellen Ansätze schufen um 1900 eine Grundlage für diese modernen Entwicklungen und lösten damals einen kontrovers diskutierten Paradigmenwechsel in den Wahrnehmungsmodellen aus. Die damaligen, revolutionären Entwicklungen haben, ähnlich der Psychoanalyse Freuds, auch auf andere kulturelle Bereiche gewirkt und zusammen mit der Hirnforschung und Psychologie eine Kaskade von theoretischen Neupositionierungen ausgelöst.

Deutlich beginnt sich im 19. Jahrhundert eine Spaltung der Sinnesphysiologie in einen naturwissenschaftlichen Zweig der Medizin und einen philosophisch orientierten Zweig abzuzeichnen.


Daniel Ketteler
Empfohlene Zitierweise dieses Artikels