Farbensehen

Man unterscheidet Bunt- oder Farbempfindungen (rot, gelb, grün, blau) von den Unbuntempfindungen (weiß, schwarz, grau). Farben haben jeweils eine charakteristische Wellenlänge.

Farbenmischung:
Lichter unterschiedlicher Wellenlänge, welche gleichzeitig oder kurz nacheinander auf die Netzhaut treffen, summieren sich in ihrer Wirkung bzw. mischen sich (additive Farbenmischung). Die Mischung von kurzwelligem Licht (violett) und langwelligem Licht (rot) ergibt z.B. die Empfindung von Purpurtönen. Komplementäre Lichter (z.B. rotorange und blaugrün) mischen sich zu Unbuntempfindungen (weiß oder grau). Orange, gelb und blau können sowohl reine Spektrallichter als auch Mischungen von anderen Lichtern sein. Rot, Grün und Violett können nicht durch Mischung evoziert werden. (siehe hierzu auch Pointillismus)

Theorien des Farbensehens:
Ausgangsbasis ist hierbei, dass man aus den drei Farben rot, grün und violett alle Farben und Unbuntempfindungen auslösen kann. Aus dieser Feststellung hat man die trichromatische Theorie des Farbensehens (Young und Helmholtz) entwickelt. Young und Helmholtz gingen hierbei von drei verschiedenen Rezeptoren (Zapfentypen) zur Farbwahrnehmung aus (rot, grün und blauviolett).

Farben und Wellenlängen

 

Das Zentralnervensystem erhält so die nötigen Informationen über die Reizintensitäten einzelner Wellenlängenmischungen und erzeugt dadurch die Reizqualität einer Farbempfindung. So erklärte Helmholtz auch die jeweiligen Farbsehstörungen. Das Auge eines Rotblinden etwa besitze kein trichromatisches Farbensehen mehr, sondern lediglich ein dichromatisches. Bei einer Erregung der für rotes Licht geltenden Sinneszellen werden geringfügig immer auch grüne Rezeptoren miterregt. Der Rotblinde sehe folglich einen eigentlich roten Gegenstand in grünlicher Farbe.

Isochromatographische Tafel

 

Lange Zeit konkurrierte die sogenannte Heringsche Theorie des Farbensehens (Zeitgenosse von Helmholtz) mit der Young-und-Helmholtzschen Theorie. 1968 hat der Physiologe Hassenstein mit seinem biokybernetischen System eine Synthese dieser unterschiedlichen Ansätze entwickelt. Hering ging vor über 100 Jahren davon aus, dass die Farbwahrnehmung durch Hemmung von Gegenfarben hervorgerufen werde. Wenn zum Beispiel überwiegend gelbe Rezeptoren erregt werden, findet automatisch eine Hemmung der Blausignale statt. Erst so lässt sich die gesamte Palette der Farbnuancen befriedigend erklären. Experimentelle Beweise für die parallele Gültigkeit beider Farbtheorien sind inzwischen erbracht.


Daniel Ketteler // Empfohlene Zitierweise