Sehschärfe und Gesichtsfeld um 1900

Die damaligen Physiologen unterschieden zwischen dem direkten und indirekten Sehen. Beim direkten Sehen wird mit dem gelben Fleck, also der Stelle des schärfsten Sehens gesehen. Dies geschieht durch Fixierung eines Punktes im Gesichtsfeld.Hermann von Helmholtz (1821-1894) stellte komplizierte Berechnungen zur Feststellung von optischen Achsen her.

Hermann von Helmholtz: Zeichnung

 

Schon damals wurde erkannt, dass einzig die Stäbchen und Zapfen für die Sinneswahrnehmung entscheidend sind. Die Stelle des schärfsten Sehens liefere mit ihrer Struktur den Beweis hierfür. Johannes Purkinje (1787-1869) beschrieb anhand der Aderfiguren des Augenhintergrundes die prominente Position des gelben Fleckes. Nach außen hin wird das Netzhautabbild zunehmend unschärfer. So zitiert Julius Bernstein (1839-1917) seinen Vorgänger Helmholtz:

Das gesamte Gesichtsfeld lässt sich vielmehr mit einem Gemälde vergleichen, dessen mittlere Partien bis ins Detail ausgeführt sind, während es nach den Seiten hin mehr und mehr in eine Skizze übergeht.(siehe hierzu auch Helmholtz Kunstauffassung)

Die Ursache der peripheren Unschärfe der Netzhaut wird auch damals schon in einer nach außen hin zunehmenden Zusammenschaltung von Sinneszellen vermutet. Viele richtige Vermutungen konnten, wie auch diese, erst im 20. Jh. endgültig bestätigt werden. Das Phänomen der »lateralen Inhibition« und der damit einhergehenden Kontrastverstärkung war allerdings damals noch nicht bekannt.


Daniel Ketteler